Der Enkel Richard Wagners machte bereits im Alter von sechs Jahren die
Bekanntschaft Hitlers, welcher seit 1923 häufig in Bayreuth zu Gast
war und eine intensive Freundschaft zu seiner Mutter Winifred Wagner
pflegte. In der Erinnerung Wielands war Hitler der »Herr im Trenchcoat
mit einer Hundepeitsche«, der sich gegenüber den vier Wagner-Enkeln
als »Spassmacher an den Kinderbetten« präsentierte und sich nach dem
Tod ihres Vaters Siegfried 1930 der vaterlosen Kinder annahm. Nach der
Schulausbildung studierte Wieland zunächst in München an der Hochschule
für Bildende Künste u. a. bei dem Bühnenbildner
Emil Praetorius
Malerei, ehe er sich dem Theater und der Musik zuwandte. 1938 trat er
in die NSDAP ein. Im 2. Weltkrieg ließ ihn Hitler persönlich vom
Wehrdienst befreien. 1941 heiratete Wieland die Choreographin Gertrud
Ressinger 1942-45 arbeitete er am Altenburger Theater und gab sein
Debüt als Regisseur mit der Inszenierung des vierteiligen Ring des
Nibelungen, für die er auch das Bühnenbild entwarf. Kurz vor
Kriegsende wurde Wieland zu Arbeiten in einem Rüstungswerk
verpflichtet. Als die US-Truppen im April 1945 das Bayreuther
Festspielhaus besetzten u. Wielands Mutter
Winifred Hausverbot erhielt,
zog sich auch Wieland für zwei Jahre zurück. In dieser Zeit setzte er
sich intensiv mit seiner Vergangenheit auseinander und distanzierte sich
völlig von seiner Mutter, einer nach wie vor glühenden Verehrerin
Hitlers. Zusammen mit seinem Bruder
Wolfgang plante Wieland die
Fortsetzung der Festspiele, und 1951, zwei Jahre nach der Rückgabe des
Theaters an die Familie Wagner, fanden erstmals wieder
Wagner-Festspiele statt. Wielands avantgardistische Neuinszenierungen
des Ring des Nibelungen, des Parsifal, der Meistersinger von Nürnberg
und des Tannhäuser waren äußerst umstritten. Die schnörkellosen, auf
das Wesentliche reduzierten Inszenierungen und die hauptsächlich mit
Lichteffekten gestalteten Bühnenbilder waren eine klare Absage an die
aufwendigen und überladenen früheren Bayreuther Inszenierungen, wie
sie von Richard Wagner selbst und später auch von Winifred Wieland
gezeigt worden waren. Die Kritik reichte von größter Anerkennung bis
zur totalen Ablehnung; die »Alt-Wagnerianer« schlossen sich 1953 zur
Vereinigung für die werktreue Wiedergabe der Dramen Richard Wagners
zusammen. Dennoch stieg Wieland rasch zu einem der bedeutendsten und
international anerkannten Opernregisseure auf, der neben den Werken
seines Großvaters auch Stücke von Alban Berg, Carl Orff, Verdi und
Bizet auf die Bühne brachte. 1966, kurz nachdem Wieland in den Orden
Pour le mérite für
Wissenschaften und Künste aufgenommen worden war, erkrankte er an
einer schweren Blutkrankheit. Noch vom Krankenhaus aus leitete
er die Proben für die Bayreuther Festspiele, deren
Aufführung er aber nicht mehr erlebte.