Wieland Wagner

* 05.01.1917 (Bayreuth)
† 17.10.1966 (München)

Enkel des Dichterkomponisten Richard Wagner, Bühnenbildner und bahnbrechender Regisseur.

Quelle: 2,4,20

Der Enkel Richard Wagners machte bereits im Alter von sechs Jahren die Bekanntschaft Hitlers, welcher seit 1923 häufig in Bayreuth zu Gast war und eine intensive Freundschaft zu seiner Mutter Winifred Wagner pflegte. In der Erinnerung Wielands war Hitler der »Herr im Trenchcoat mit einer Hundepeitsche«, der sich gegenüber den vier Wagner-Enkeln als »Spassmacher an den Kinderbetten« präsentierte und sich nach dem Tod ihres Vaters Siegfried 1930 der vaterlosen Kinder annahm. Nach der Schulausbildung studierte Wieland zunächst in München an der Hochschule für Bildende Künste u. a. bei dem Bühnenbildner Emil Praetorius Malerei, ehe er sich dem Theater und der Musik zuwandte. 1938 trat er in die NSDAP ein. Im 2. Weltkrieg ließ ihn Hitler persönlich vom Wehrdienst befreien. 1941 heiratete Wieland die Choreographin Gertrud Ressinger 1942-45 arbeitete er am Altenburger Theater und gab sein Debüt als Regisseur mit der Inszenierung des vierteiligen Ring des Nibelungen, für die er auch das Bühnenbild entwarf. Kurz vor Kriegsende wurde Wieland zu Arbeiten in einem Rüstungswerk verpflichtet. Als die US-Truppen im April 1945 das Bayreuther Festspielhaus besetzten u. Wielands Mutter Winifred Hausverbot erhielt, zog sich auch Wieland für zwei Jahre zurück. In dieser Zeit setzte er sich intensiv mit seiner Vergangenheit auseinander und distanzierte sich völlig von seiner Mutter, einer nach wie vor glühenden Verehrerin Hitlers. Zusammen mit seinem Bruder Wolfgang plante Wieland die Fortsetzung der Festspiele, und 1951, zwei Jahre nach der Rückgabe des Theaters an die Familie Wagner, fanden erstmals wieder Wagner-Festspiele statt. Wielands avantgardistische Neuinszenierungen des Ring des Nibelungen, des Parsifal, der Meistersinger von Nürnberg und des Tannhäuser waren äußerst umstritten. Die schnörkellosen, auf das Wesentliche reduzierten Inszenierungen und die hauptsächlich mit Lichteffekten gestalteten Bühnenbilder waren eine klare Absage an die aufwendigen und überladenen früheren Bayreuther Inszenierungen, wie sie von Richard Wagner selbst und später auch von Winifred Wieland gezeigt worden waren. Die Kritik reichte von größter Anerkennung bis zur totalen Ablehnung; die »Alt-Wagnerianer« schlossen sich 1953 zur Vereinigung für die werktreue Wiedergabe der Dramen Richard Wagners zusammen. Dennoch stieg Wieland rasch zu einem der bedeutendsten und international anerkannten Opernregisseure auf, der neben den Werken seines Großvaters auch Stücke von Alban Berg, Carl Orff, Verdi und Bizet auf die Bühne brachte. 1966, kurz nachdem Wieland in den Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste aufgenommen worden war, erkrankte er an einer schweren Blutkrankheit. Noch vom Krankenhaus aus leitete er die Proben für die Bayreuther Festspiele, deren Aufführung er aber nicht mehr erlebte.
KK

(rechts im Bild. Auf den Trümmern der Villa Wahnfried)

Quelle: 98