Hans Walter Wild

* 27.11.1919 (Würzburg) -
† 24.05.2001 (Bayreuth)

Hans Walter Wild 1988 bei den Festspielen

Oberbürgermeister vom 1. Mai 1958 - 1988. Nachfolger von Hans Rollwagen. Auf sein Konto gehen u.a. der Bau der Universität, Bayreuth als Bundeswehrstandort, der Abriß der Reste des Reitzensteinpalais für den Bau des neuen Rat-(hoch-)hauses, die Zerstörung der Ludwigsbrücke und der Ausbau des Hohenzollernrings.

Er wurde am 27.11.1919 in Würzburg geboren, besuchte dort bis zum Abitur das Gymnasium und begann 1939 das Studium der Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft an der Universität Würzburg. 1940 wurde er Soldat, kämpfte an der Ostfront und in Afrika, wo er als Kompanieführer 1943 in Kriegsgefangenschaft geriet, aus der er erst 1948 zurückkehrte. Er nahm in Würzburg das Studium der Rechtswissenschaften wieder auf, legte das 2. juristische Staatsexamen 1953 mit Prädikat ab und trat im gleichen Jahr als Ass. jur. in den Dienst der Stadt Bayreuth. Ab 1956 städtischer Rechtsrat, erwarb er sich als Finanz- und Polizeireferent wichtige Erfahrungen und Kenntnisse in der Verwaltung und lernte die Probleme der Stadt in verantwortlicher Stellung kennen. Seit 1952 Mitglied der SPD, gehörte er ab 1956 dem Stadtrat an und wurde 1958 Kandidat seiner Partei für das Amt des Oberbürgermeisters. Er gewann die Wahl gegen seinen renommierten, ehrenwerten Gegenkandidaten Dr. Meyer I. Diese Entscheidung der Bürgerschaft war zugleich die Entscheidung für die enorme Entwicklung unserer Stadt bis zum heutigen Tag.

Ziele und Erfolge
Hans Walter Wild führte das Werk seines Vorgängers Hans Rollwagen planmäßig fort und setzte darüber hinaus neue Akzente. Ausgestattet mit einer breiten Palette von Gaben und Fähigkeiten für sein Amt, vor allem mit einer beneidenswerten körperlichen und geistigen Vitalität, enormer Willenskraft und Mut zum Risiko, verfolgte der jung angetretene und bis ins Alter jung gebliebene Vollblutpolitiker klare Ziele. Sein erstes, 10 Punkte umfassendes Wahlprogramm von 1958 nimmt sich im Vergleich zu seinen späteren Vorhaben geradezu bescheiden aus. Es zeigt aber die Leitlinien auf, die er beharrlich verfolgte. Sein Ziel war und bleibt, Bayreuth zu einer liebenswerten, lebendigen Stadt, zu einem attraktiven Zentrum in Oberfranken zu entwickeln, zu einer Stadt mit hoher Lebensqualität für die Bürger aller Alters- und Sozialschichten, zu einer Stadt, in der die Synthese von Bewahrung wertvoller Tradition und Berücksichtigung der Gegenwarts- und Zukunftserfordernisse angestrebt wird.
Im Leitsatz seines Programms von 1958 war festgelegt, wie er sein erstes und alle späteren Programme erreichen wollte und erreicht hat: „Wohnungen, Schulen, Straßen, alles kann gebaut werden, wenn die Wirtschafts- und Steuerkraft der Stadt gestärkt wird.“ Das ist die nüchterne Erkenntnis des Pragmatikers, des Realisten. Das war auch der Grund, warum er als Oberbürgermeister gleichzeitig Finanzreferent war und blieb, um die Finanzmittel in den Griff zu bekommen, die er für die Durchführung seiner Ideen brauchte. Seine Pläne erschienen vielen oft allzu kühn und hoch gesteckt. Er erreichte sie, allen Halbherzigen, Zweiflern und Zauderern zum Trotz, in der ihm eigenen Manier. Bayreuth hat sich im Existenzkampf des Grenzlandes behauptet, fiel nicht zurück, trat nicht auf der Stelle, sondern wuchs bis zum heutigen Tag an Bevölkerungszahl und Bedeutung. Dies ist überwiegend das Verdienst Hans Walter Wilds.

Wo lagen die Schwerpunkte seiner Arbeit, welche waren die markantesten und bedeutendsten Erfolge seiner Amtszeit? Sie sollen nicht chronologisch aufgelistet, sondern nach Sachgebieten zusammengefasst werden, auch wenn sie nicht nacheinander, sondern in der Regel nebeneinander verfolgt und erreicht wurden. Sie waren immer das Ergebnis gründlicher Planung. Wild überließ nichts dem Zufall. Seine Stärke lag im Aufstellen von Plänen, in denen die Teilschritte nach erkennbaren Prioritäten bestimmt und nur bei akut auftretenden, nicht vorhersehbaren Sachzwängen geändert wurden. Er war ein Meister im Zusammenfassen aller eigenen und Ausnützen aller Fremdhilfen, wobei er in der Regel durch Vorliegen abrufharer sogenannter „Schubladenprojekte“ seinen Konkurrenten um entscheidende Längen voraus war.

Stärkung der Finanzkraft der Stadt
Wie sein Vorgänger widmete Wild der Sicherung vorhandener und Gewinnung neuer Arbeitsplätze größte Bedeutung. Es galt also, das von Rohllwagen errichtete Industriegebiet zu füllen und grundstücksmäßig zu erweitern und zu ergänzen. Neue Firmen wurden zur Ansiedlung in Bayreuth gewonnen, aber auch Ersatzstandorte für jene Bayreuther Betriebe, die an ihren alten Standorten, vor allem in der Innenstadt, aus betrieblichen Gründen nicht bleiben konnten. Das erste Industriegehiet St. Georgen, im Zuge der Gebietsreform über den Weiherdamm in Richtung Bindlach vergrößert, umfasst heute (1985) 73 Firmen mit ca. 4500 Beschäftigten. Unter ihnen nimmt die B.A.T. Zigarettenfabrik, weithin sichtbar, als größter Steuerzahler der Stadt unter anderen namhaften Firmen einen herausragenden Platz ein.

Als der vorhandene Raum zu eng wurde, initierte Wild durch Grundstücksankäufe und Erschließungsmaßnahmen die Errichtung des Industriegebietes Ost, das heute (1985) 28 Firmen mit rund 880 Beschäftigten zählt. Weitere Industriegebiete befinden sich in Aichig mit 8 Firmen und rd. 120 Beschäftigten und in Wolfsbach.
Weil die Ansiedlung immer größerer Betriebe in unserer Randlage besonders schwierig ist, unternahm Wild alles Erdenkliche, um neue Arbeitsplätze auch im Dienstleistungsbereich, also über Behörden, Schulen und Handel zu gewinnen. Dies gelang ihm über die von ihm initierte Errichtung des Gebietsrechenzentrums für kommunale Datenverarbeitung im Industriegebiet Ost, vor allem aber durch die Errichtung der Universität Bayreuth, die inzwischen zum zweitgrößten Arbeitgeber unserer Stadt wurde.

„Alles kann gebaut werden, wenn die Wirtschafts- und Steuerkraft der Stadt gestärkt wird.“ Dieser Leitsatz Wilds im Jahre 1958 bewahrheitete sich in kaum vorgesehenem Umfang. Errichtung und Ausbau der Industriegebiete führten in kurzer Zeit zu einer Verdoppelung der Finanzkraft der Stadt und bildeten die Grundlage für ihr enormes Wachstum in nahezu allen Bereichen.


Wild kurz vor seinem Tod auf Gut Grunau

Grundstückspolitik
Weitblick erwies Wild durch eine großzügige Bodenpolitik. Durch rechtzeitigen, preisgünstigen Ankauf von 150 ha Grundstücksflächen wirkte er der Bodenspekulation entgegen und konnte für wichtige Vorhaben in den verschiedensten Bereichen, für Industrieansiedlung, Wohnungs-, Schul- und Sportstättenbau sowie den Neubau des Zweckverbandskrankenhauses am Roten Hügel die erforderlichen Grundstücke zur Verfügung stellen.

Gebietsreform und Eingemeindungen brachten mit einem Zuwachs von ca. 32 qkm eine Verdoppelung des Stadtgebietes und Zuwachs von ca. 5200 Einwohnern, also in jeder Hinsicht einen bedeutsamen Gewinn. 1972 kamen die Gemeinden Oberkonnersrcuth und Laineck, 1976 die Gemeinden Aichig. Seulbitz, Oberpreuschwitz und Thiergarten, 1978 der größte Teil der Gemeinde Wolfsbach zu Bayreuth. Diese Eingemeindungen wurden von Wild auf lange Sicht und geschickt vorbereitet. Nur wenige Eingeweihte wissen, wie er beispielsweise durch frühzeitige Aufnahme der Schüler aus Oberpreuschwitz in die Volksschule Herzoghöhe - trotz dortiger Raumnot - und die Errichtung der Volksschule St. Johannis, die die Volksschüler aus Aichig, Seulbitz, Oberkonnersreuth und Wolfsbach aufnahm, frühzeitig Bindungen zur Stadt herstellte, die die Eingemeindungen wesentlich beeinflussten.

Wohnungsbau
Die Bayreuther haben sich längst an ihr neues Stadtbild gewöhnt. Vor allem aber jene Bayreuther, die nach langer Abwesenheit ihre Stadt als Heimkehrer oder Besucher wiedersehen, sind erstaunt über das städtebauliche Wachstum der Nachkriegsjahre. Völlig neue Stadtgehiete entstanden. So hat sich die bebaute Wohnfläche von Bayreuth in den Jahren 1958 - 1985 mehr als verdoppelt. Nach der Barackenabsiedlung, unter Wild abgeschlossen, wurde eine stürmische, aber sorgfältig geplante Wohnungsbautätigkeit entwickelt, die nicht nur eine bedeutende Belebung der Bauwirtschaft, sondern die Beseitigung der Wohnungsnot zur Folge hatte. Unablässig bemühte sich Oberbürgermeister Wild nun noch um die Erstellung von preiswerten Wohnungen für sozial Schwache. Die städtische GEWOG ist besonders um die Lösung dieses Problems bemüht.

Die grüne Stadt
Sein Einsatz für die Erhaltung einer liebenswerten, grünen Stadt, insbesondere seine vorbildliche Unterstützung der Kleingärtner, wurden anerkannt durch die Verleihung der Goldplakette im Bundeswettbewerb „Gärten im Städtebau“. Er kämpfte oft leidenschaftlich um die Erhaltung eines einzelnen Baumes wie um Bestand und Ausweitung städtischer Grünanlagen.

Verkehr
Sofort nach Amtsübernahme wandte sich Wild der Lösung der Verkehrsprobleme zu. 1958 beauftragte er die Verwaltung mit der Erstellung eines Ausbauplanes für das städtische Straßennetz unter Beachtung der Entwicklung des Kraftfahrzeugverkehrs auf lange Sicht. Der Plan betraf das Straßennetz für Peripherie und Zentrum. Das Ergebnis einer Verkehrszählung zeigte, dass der Bau von Umgehungsstraßen nicht nötig, die Erweiterung des innerstädtischen Verkehrsnetzes und der Bau von Straßenzügen jedoch dringend erforderlich und eine gründliche Verkehrsplanung unerläßlich waren. 1960 wurden die Ergebnisse zum „Straßenverkehrsplan“ erhoben und zum Bestandteil des Flächennutzungsplanes erklärt. Er hatte 3 Verkehrsschwerpunkte, nämlich die Bernecker-, Nürnberger- und Bamberger Straße. Um den Innenstadtverkehr durch Stadtringstraßen wirksam zu entlasten, bedurfte es einer weiteren gründlichen Planung. Sie wurde von Herrn Dipl-Ing. Dr. Schubert, Hannover, als Generalverkehrsplan erstellt. Er legte die großzügige Neugestaltung des Straßennetzes fest. Ohne sie wäre die Bewältigung des heutigen Verkehrs nicht vorstellbar.



Eine Riesenaufgabe wurde bis heute unter optimaler Ausnutzung öffentlicher Mittel (Mineralölsteuer!) gelöst. Das Stadtbild hat sich in manchen Bereichen stark geändert, etwa durch die Mainbettüberdachung, den Annecy-Platz, die Freilegung der alten Stadtmauer, das Verschwinden des „Grabens“ und der Wolfsgasse, um nur einige Beispiele zu nennen. Manche Idylle, wie z. B. der Eck-Schoberth, (das Reizenstein-Palais und die Ludwigsbrücke) musste aufgegeben werden. Aber Veränderungen und harte Schnitte waren lebensnotwendig, erfolgten mit Augenmaß und brachten die erhoffte Verbesserung.

Sportförderung
Große Beachtung widmete Wild der Förderung des Sportes. Er erkannte aus persönlicher Neigung und Erfahrung die gesellschaftspolitische Bedeutung des Sportes schlechthin und ließ ihm jede erdenkliche, im Rahmen der Gesamtaufgaben vertretbare ideelle und materielle Hilfe angedeihen. Der Erfolg hat ihm auch hierbei Recht gegeben. Bayreuth ist eine Sportstadt! Bayreuther Sportler errangen als Einzelkämpfer oder Mannschaften national und international beachtliche Erfolge. Stellvertretend für alle seien Heidi Reineck-Oliwa (Bronzemedaillen bei den Olympischen Spielen 1968 und 1972) und der Rekordmeister im Skilanglauf Walter Demel genannt. Im Mannschaftssport vertritt die Spielvereinigung unsere Stadt in der 2. Bundesliga, die Tischtennismannschaft und Basketball mannschaft vertreten Bayreuth in der 1. Bundesliga, die Eishockeymannschaft des SVB hat nach kometenhaftem Aufstieg ebenfalls den Weg in die 1. Bundesliga erkämpft. Alle Erfolge im Leistungssport kamen nicht von ungefähr. Die Stadt stellte die erforderlichen modernen Sportstätten zur Ver-fügung und leistete wesentliche finanzielle Hilfen.

Unter Wild entstanden folgende Großsportanlagcn:

1964 das Kreuzsteinbad
1967 das Städtische Stadion mit Tribüne
1975 das Hallenzentrum am Sportpark
1975 das Eisstadion (1983 überdacht)
1976 die 50-m-Schwimmhalle am Sportpark.
198? die Oberfrankenhalle

Beispielhaft und für den Leistungs- und Breitensport äußerst hilfreich war die 1967 erfolgte Einrichtung eines städtischen Sportamtes, das die Vereine und den Freizeitsport durch Beratung und Organisationshilfen nachhaltig unterstützt. Auf Initiative des Oberbürgermeisters wurden im November 1958 der Stadtverband für Leibungsübungen und 1967 das Sportkuratorium zur Förderung des Spitzen- und Breitensports gegründet. Maßnahmen wie das Schwimmen für Mutter und Kind, das Kindergartenschwimmen (ein Modellfall in Bayern!), das Schwimmen für Wirbelsäulengeschädigte, die Errichtung eines „Trimm-Dich-Pfades“, die jährlichen Wettkämpfe „Die sportliche Familie“ und die Sportabzeichenaktion des Sportamtes ergänzen die vielen Maßnahmen im Bereich des Sportes. Im Jahre 1984 betrugen die finanziellen Aufwendungen der Stadt für den Sport 1196 Mio DM, davon rd. 200.000 DM für den Leistungssport, ein sicherlich ausgewogenes Verhältnis!

Kulturelles Leben
Seit Beginn seiner Amtszeit hat Wild ebenso energisch wie nachhaltig Kultur und Kunst gefördert. Er setzte sich mit Nachdruck für den Fortbestand der Bayreuther Festspiele ein, betrieb 1965 die Errichtung der Stadthalle, die ein reiches, qualitativ hochstehendes Angebot an Konzert- und Theateraufführungen bietet, und setzt sich laufend für die Förderung des kulturellen Lebens ein durch Zuschüsse an die „Musica Bayreuth“, durch Gewinnung hochwertiger Aufführungen der „Fränkischen Festwoche“, durch Verleihung des 1976 gestifteten „ Kulturpreises der Stadt Bayreuth“ und durch städtische Zuschüsse an alle Vereine, die das kulturelle Leben der Stadt pflegen. Auch die wichtige, zweckmäßige Unterbringung des Stadtmuseums ist durch vorübergehende Nutzung des Lüchauhauses bis zur endgültigen Einrichtung in der Alten Lateinschule in die Wege geleitet. Wild ist sich der Verpflichtung Bayreuths, der Stadt Richard Wagners und Jean Pauls, bewußt. Er setzte sich für die Wahrung und Pflege wertvoller Tradition wie durch Förderung neuer Ansätze auf breiter Basis nachhaltig ein. Das von ihm betriebene, breite kulturelle Angebot der Stadt entspricht ihrer Bedeutung, hat hohes Niveau und ist oft größer als es genutzt wird.
Nicht unerwähnt soll die von Wild betriebene Erwerbung und Renovierung des Schlosses Thiergarten bleiben. Die Stadt erfüllt damit eine Verpflichtung gegenüber historischem Erbe und gewann ein Schmuckstück für die Gastronomie unserer Stadt.

Qrtsentwässerung und Trinkwasserversorgung
Die Entwicklung einer Stadt, ihr Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum, bringt Aufgaben, die oft vom Normalbürger in ihrem Umfang nicht erkannt werden, vor allem, wenn sie unter der Erde, nach ihrer Bewältigung nicht mehr sichtbar, vollzogen werden. Das trifft für alle Maßnahmen der Abwasserbeseitigung zu. Schon 1927 wurde amtsärztlich festgestellt, dass die Abwasserbeseitigung der Stadt Bayreuth nicht den Anforderungen der Hygiene entsprach und den Neubau einer Ortsentwässerung einschließlich der Errichtung einer Kläranlage dringend erforderlich machte. Die finanzschwache Stadt konnte diese Aufgabe nicht sofort lösen. Der Ausbruch des 2. Weltkrieges verhinderte 1939 die Lösung des Großprojektes. Am Ende des 2. Weltkrieges wurde die Situation durch die Zerstörungen des Krieges und die hohe Zunahme der Bevölkerungszahl völlig unerträglich.
1948, unmittelbar nach der Währungsreform, beschloß der Stadtrat, das Großprojekt in Angriff zu nehmen. Es wurde unter Rollwagen in 6 Bauabschnitten begonnen und unter Wild konsequent fortgesetzt.
Ende 1984 war das Kanalnetz von ca. 62 km im Jahre 1945 auf ca. 270 km erneuert und den Erfordernissen der Zeit angepasst. Dies erforderte 60,446 Mio DM Baukosten. Gleichzeitig erfolgte der Bau einer mechanisch-biologischen Kläranlage mit 26,165 Mio DM Gesamtkosten. Kanalisation und Kläranlage sind damit auf den neuesten Stand gebracht und ermöglichen die Weiterentwicklung der Stadt.
1984 gelang es Wild, in zähen Auseinandersetzungen die Mehrheit des Stadtrates für den Abschluss eines Wasserlieferungsvertrages - mit noch nicht ausgeräumten Vorbehalten - zu gewinnen. Der Anschluss an die Trinkwasseranlage der Talsperre Mauthaus sichert die Deckung des Wasserbedarfs auf lange Sicht und gewährleistet gleichzeitig die Schonung unserer bisher genutzten Trinkwasserreservoirs. Ein hoher Preis muß für die Sicherung unseres lebensnotwendigen Trinkwasserbedarfes bezahlt werden. Schlimmer als die hohen Kosten wäre aber sicherlich der Zusammenbruch unserer Trinkwasserversorgung. Wild hat den hohen Einsatz in Verantwortung für die Zukunft gewagt und gewonnen.


Ehrenbürgerurkunde

Die Schulstadt
Bayreuth kann sich mit Recht eine Schulstadt nennen. Konsequent, auf der Grundlage eines Schulentwicklungsplanes und ‚-mit hohem Finanzaufwand - die Ausgaben für das Schulwesen standen im städtischen Haushalt an zweiter Stelle - wurde ein Schulsystem entwickelt, das lückenlos von Vorschuleinrichtunlen, über Volks- und Sonderschulen und Berufsschulen bis zur Universität reicht. Unter Wild wurden 4 Volksschulen neu erichtet, 5 erweitert, alle alten Schulen saniert, 7 Pavillons für Schulanfänger erstellt und das Schießergebäude in St. Georgen zur Behebung dringender Schulraumnot erworben md umgebaut. Er betrieb den Bau der Realschule I am Festspielhügel, die Errichtung der Realschule II des Landkreises im Stadtgebiet, die rasche, kostengünstige Errichtung der Fachoberschule, den Neubau des Gymnasiums Christian Ernestinum und des Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasiums mit Wirtschaftsschule, die Erweiterung des Richard-Wagner-Gymnasiums und des Graf-Münster-Gymnasiums, die Neubauten für die Sonderschule Meyernherg und die Berufsfachschulen für medizinisch-technische Assistenten und Krankengymnastik und förderte durch Zuschüsse die Errichtung des Heilpädagogischen Zentrums am Geschwister-Scholl-Platz. Große Anstrengungen unternahm er mit dem Ausbau des Schulzentrums Ost, das durch die Ergänzung der Werkstätten und den Neubau einer Kaufmännischen Berufsschule den Abschluss eines Schulbauprogrammes darstellt, das den Anforderungen an einen zeitgemäßen Unterricht und den Anforderungen an ein mögliches Oberzentrum gerecht wird.

Jugend und Familie
Ihnen galt und gilt Wilds volle Zuwendung und Unterstützung. 1981 wurde die Stadt Bayreuth mit dem 2. Preis im Landeswettbewerb „Die familienfreundliche Stadt“ ausgezeichnet. Damit fanden die vielfältigen, zum Teil originären Ideen und Maßnahmen unserer Stadt ihre Anerkennung.
Unter Wild wurde das Netz der Kindergärten flächendeckend ausgebaut. Die Errichtung von 4 Kinderhorten ergänzte diese Einrichtungen. Ebenfalls flächendeckend wurden Spiel- und Bolzplätze für die Jugend geschaffen, darunter ein beispielhafter Abenteuerspielplatz. Eine Idee Wilds, die jährliche Durchführung eines Bolzplatzturniers für Knaben und Mädchen, fand begeisterte Aufnahme, ebenso das reichhaltige Ferienprogramm des Stadtjugendamtes.
1978 errichtete die Stadt mit 1 Mio DM Aufwand, unter Verzicht auf einen Staatszuschuß, das Kommunale Jugendzentrum in Anlehnung an das alte Jugendheim an der Hindenburgstraße.
1975 wurde die neue Jugendherberge am Kreuzsteinbad errichtet. 1983 erhielt die Stadt für die Verdienste um das Jugendherbergswesen den Wilhelm-Munker-Preis. Der Jugend Bayreuths dient unmittelbar auch das „Internationale Jugendfestspieltreffen“, das einer Begegnung von Jugendlichen aus aller Welt mit dem Ziel der Völkerverständigung dient. Dasselbe gilt für das „Internationale Jugendkulturzentrum“, das nach langwierigen Verhandlungen 1984 fertiggestellt wurde und 1985 seine Arbeit mit dem Modellversuch „Jugendkulturarbeit in einer ländlichen Region“ aufnimmt. Die Stadt Bayreuth, besonders Oberbürgermeister Wild, ließen beiden Einrichtungen große ideelle und materielle Unterstützung angedeihen.
Eine Großtat Wilds für die Jugend war die Gründung und Gestaltung der Jumelage mit der französischen Partnerstadt Annecy, einer Einrichtung, die als beispielhaft gilt. In Anerkennung seiner Verdienste um die Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland erhielt Wild 1978 den „Prix France-Allemagne“.

Gesundheitswesen
Ein langer Weg führte im Bemühen um ein gutes Gesundheitswesen über die Verbesserungen des alten Städt. Krankenhauses zur Errichtung des neuen Zweckverbandskrankenhauses am Roten Hügel, das 1986 bezogen wurde. An seiner Errichtung hatte Wild maßgeblichen Anteil. Die Bürger Bayreuths verfügen mit der Fertigstellung über ein modernes Krankenhaus der Versorgungsstufe II, das nach Lage, Gestaltung und Ausstattung die Krönung langwieriger Verhandlungen darstellt und den Bedürfnissen der Zeit entspricht.

Universität Bayreuth
Viele Bayreuther nehmen die Tatsache, dass sie eine Universität besitzen, zur Kenntnis, ohne zu ermessen, welch ungeheurer Anstrengung es bedurfte, diese Einrichtung zu gewinnen und welch große Bedeutung sie für die Entwicklung unserer Stadt besitzt.
Der Erfolg hat, wie immer, viele Väter. Wer die Entstehung der Universität miterleben durfte, der weiß, dass sie überwiegend ein Verdienst Wilds ist. Er hatte den damals geradezu vermessen erscheinenden Mut, mit der Forderung einer Universität für Bayreuth an die Offentlichkeit zu treten. Dabei begnügte er sich nicht mit allgemeinen, historisch begründeten Forderungen, sondern erstellte in fieberhafter Eile, jedoch präziser Sorgfalt, eine Denkschrift, die mit nüchternen, bestechenden Fakten und Argumenten die Berechtigung und Voraussetzungen für den Standort einer Universität in Bayreuth zwingend und überzeugend darlegte. Mit einem ungeheuren Einsatz an Überzeugungskraft, Zähigkeit und taktischen Varianten nutzte er in einem großartigen Sturm- und Wettlauf die Gunst der Stunde.
Am 16.07.1970 faßte der Bayerische Landtag den Beschluss zur Errichtung einer Universität in Bayreuth. Heute, nach knapp 15 Jahren, präsentiert sich diese Universität, eine Universität mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt und bedeutsamen Forschungsschwerpunkten in der Experimentellen Okologie und Ökosystemforschung sowie makromolekularen Chemie, aber auch im Bereich der Geisteswissenschaften mit Schwerpunkten wie Afrikanologie und Musiktheaterforschung, als eine Universität, die bewußt auf die breite Palette des Angebotes einer traditionellen Universität verzichtet. Im Sommersemester 1985 hat sie mit 4512 eingeschriebenen Studenten bereits die Nachbarunivcrsität Bamberg überflügelt, ein deutlicher Beweis für die Notwendigkeit ihrer Errichtung und den guten Ruf, den sie genießt. Die Errichtung der Universität Bayreuth war ein Meilenstein in der Stadtentwicklung. Sie besitzt nicht nur fundamentale Bedeutung für das geistig-kulturelle Leben in unserer Stadt, sie ist als zweitgrößter Arbeitgeber auch ein wichtiger Faktor im erfolgreichen Kampf gegen Stillstand und Rückentwicklung der Bevölkerungszahl, weil sie die Attraktivität Bayreuths nachhaltig verstärkt und Abwanderungstendenzen in Ballungsräume wesentlich verhindert.
Die Errichtung der Universität war sicherlich die herausragende Leistung Wilds und der vielen Helfer, die er in und außerhalb Bayreuths gewinnen konnte. Sie war nie ein Geschenk, sondern eine Aufgabe, die weiterhin die ideelle und materielle Hilfe der Stadt braucht und wert ist.

Der Chef der Verwaltung
Wie sein Vorgänger Rollwagen erkannte Wild, dass eine leistungsfähige, straff geführte, ständig geforderte und durch eigenes Vorbild motivierte Verwaltung die unerlässliche Voraussetzung für erfolgreiche Arbeit darstellt. Die Leistungsfähigkeit der Stadtverwaltung litt vor allem unter der Aufsplitterung der Amter auf Behelfsunterkünfte, die das im Krieg zerstörte Rathaus ersetzen mußten. So ist es verständlich, dass Wild die Errichtung eines neuen Rathauses mit Nachdruck betrieb. 1972 wurde es bezogen. In ihm kann die Verwaltung - mit Ausnahme weniger, noch außerhalb untergebrachter Dienststellen - unter zeitgemäßen Bedingungen ihre Arbeit verrichten. Die Verwaltung ist für Wild nicht Selbstzweck, sondern in erster Linie eine Einrichtung für den Bürger. Das wird deutlich unterstrichen durch den „Bürgerdienst“ im Erdgeschoß, eine Idee Wilds. Er steht Hilfe- und ratsuchenden Bürgern laufend als wichtiges, gerne in Anspruch genommenes Bindeglied zur Verwaltung zur Verfügung, ergänzt durch eine Kinderbetreuungsstätte für Mütter in Begleitung von Kleinkindern. Auch die Ausstellungshalle im Erdgeschoss, ganzjährig gefüllt mit Ausstellungen verschiedenster Art, sowie Dienst- und Veranstaltungsräume für die Volkshochschule führen bewusst den Bürger in sein Rathaus. Im 2. Stockwerk arbeitet der versierte Chef der Verwaltung, eine Lokomotive, die ständig unter Volldampf steht, und mit enormer Schubkraft für Bewegung nach vorwärts sorgt. Er ist, um beim Bild zu bleiben, Zugmaschine und Stellwerk in einer Person.

Es muß Stückwerk bleiben, das Riesenpensum geleisteter, äußerst erfolgreicher Arbeit Hans Walter Wilds lückenlos aufzulisten und zu würdigen. Zu seinen Aufgaben als Oberbürgermeister war er von 1962 - 1982 Mitglied des Bezirkstagcs von Oberfranken, zeitweise dessen Vizepräsident, Mitglied des Vorstandes des Bayer. Städtetages, Vorsitzender des Verwaltungs- und Rechtsausschusses dieses Verbandes, von 1960 - 1984 Mitglied im Hauptausschuß des Deutschen Städtetages, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Stadtsparkasse Bayreuth, Vorsitzender der Emil-Warburg-Stiftung, des Aufsichtsrates der GEWOG Bayreuth und des Kreisverhandes Bayreuth des Bayer. Roten Kreuzes. Das bedeutete: Zusätzliche Belastung, aber auch wichtige In-formation und Mitentscheidung zum Wohle der Stadt. Seine Verdienste als Kommunalpolitiker wurden durch eine große Zahl von Ehrungen und Auszeichnungen gewürdigt.

Zusammenfassend muß festgestellt werden, dass Wild das von Rollwagen geschaffene Fundament zu einem stattlichen Gebäude, zum Bayreuth 1985 gestaltete. Dabei kam ihm neben seinen glänzenden Fähigkeiten der allgemeine wirtschaftliche Aufschwung der „goldenen Jahre“ des deutschen Wirtschaftswunders zugute. Er hat diese Entwicklung genutzt wie kein anderer seiner oberfränkischen Kollegen. Was in den Jahren von 1958 - 1985, weitgehend von ihm initiiert, in Bayreuth geschaffen wurde, wäre heute, im Zeichen der Rezession, nicht mehr möglich. Wild hat im Kleinen wie im Großen immer die Gunst der Stunde genutzt. Er hat die Früchte der „fetten Jahre“ in die Scheuer gebracht wie ein Landmann, der in entschlossenem Zugriff die Ernte einbringt, bevor das Gewitter loshricht. Die aufstrebende Universitätsstadt genießt die Früchte seiner Ideen und Leistung.

Die SPD, bei der er trotz aller Objektivität, die ihm die Gesamtverantwortung gebietet, einen festen Standort hat, kann stolz auf ihn sein. Die ausführliche Würdigung seiner großen Leistung im Rahmen dieser Festschrift ist durch seine überragende Leistung mehr als gerechtfertigt.
Verwaltung zur Verfügung, ergänzt durch eine Kinderbetreuungsstätte für Mütter in Begleitung von Kleinkindern. Auch die Ausstellungshalle im Erdgeschoß, ganzjährig gefüllt mit Ausstellungen verschiedenster Art, sowie Dienst- und Veran-staltungsräume für die Volkshochschule führen bewußt den Bürger in sein Rathaus. Im 2. Stockwerk arbeitet der versierte Chef der Verwaltung, eine Lokomotive, die ständig unter Volldampf steht, und mit enormer Schubkraft für Bewegung nach vorwärts sorgt. Er ist, um beim Bild zu bleiben, Zugmaschine und Stellwerk in einer Person.

Nachfolger von Wild ist Herr Dr. Dieter Mronz.

Quelle: 5,24,65