Er wurde am 27.11.1919 in Würzburg geboren,
besuchte dort bis zum Abitur das Gymnasium und begann 1939 das Studium
der Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft an der Universität
Würzburg. 1940 wurde er Soldat, kämpfte an der Ostfront und
in Afrika, wo er als Kompanieführer 1943 in Kriegsgefangenschaft
geriet, aus der er erst 1948 zurückkehrte. Er nahm in
Würzburg das Studium der Rechtswissenschaften wieder auf, legte
das 2. juristische Staatsexamen 1953 mit Prädikat ab und trat im
gleichen Jahr als Ass. jur. in den Dienst der Stadt Bayreuth. Ab 1956
städtischer Rechtsrat, erwarb er sich als Finanz- und
Polizeireferent wichtige Erfahrungen und Kenntnisse in der Verwaltung
und lernte die Probleme der Stadt in verantwortlicher Stellung kennen.
Seit 1952 Mitglied der SPD, gehörte er ab 1956 dem Stadtrat an und
wurde 1958 Kandidat seiner Partei für das Amt des
Oberbürgermeisters. Er gewann die Wahl gegen seinen renommierten,
ehrenwerten Gegenkandidaten
Dr. Meyer I.
Diese Entscheidung der Bürgerschaft war zugleich die Entscheidung
für die enorme Entwicklung unserer Stadt bis zum heutigen Tag.
Ziele und Erfolge
Hans Walter Wild führte das Werk seines Vorgängers
Hans Rollwagen
planmäßig fort und setzte darüber hinaus neue Akzente.
Ausgestattet mit einer breiten Palette von Gaben und Fähigkeiten
für sein Amt, vor allem mit einer beneidenswerten
körperlichen und geistigen Vitalität, enormer Willenskraft
und Mut zum Risiko, verfolgte der jung angetretene und bis ins Alter
jung gebliebene Vollblutpolitiker klare Ziele. Sein erstes, 10 Punkte
umfassendes Wahlprogramm von 1958 nimmt sich im Vergleich zu seinen
späteren Vorhaben geradezu bescheiden aus. Es zeigt aber die
Leitlinien auf, die er beharrlich verfolgte. Sein Ziel war und bleibt,
Bayreuth zu einer liebenswerten, lebendigen Stadt, zu einem attraktiven
Zentrum in Oberfranken zu entwickeln, zu einer Stadt mit hoher
Lebensqualität für die Bürger aller Alters- und
Sozialschichten, zu einer Stadt, in der die Synthese von Bewahrung
wertvoller Tradition und Berücksichtigung der Gegenwarts- und
Zukunftserfordernisse angestrebt wird.
Im Leitsatz seines Programms von 1958 war festgelegt, wie er sein
erstes und alle späteren Programme erreichen wollte und erreicht
hat:
„Wohnungen, Schulen, Straßen, alles kann gebaut werden,
wenn die Wirtschafts- und Steuerkraft der Stadt gestärkt wird.“
Das ist die nüchterne Erkenntnis des Pragmatikers, des Realisten.
Das war auch der Grund, warum er als Oberbürgermeister
gleichzeitig Finanzreferent war und blieb, um die Finanzmittel in den
Griff zu bekommen, die er für die Durchführung seiner Ideen
brauchte. Seine Pläne erschienen vielen oft allzu kühn und
hoch gesteckt. Er erreichte sie, allen Halbherzigen, Zweiflern und
Zauderern zum Trotz, in der ihm eigenen Manier. Bayreuth hat sich im
Existenzkampf des Grenzlandes behauptet, fiel nicht zurück, trat
nicht auf der Stelle, sondern wuchs bis zum heutigen Tag an
Bevölkerungszahl und Bedeutung. Dies ist überwiegend das
Verdienst Hans Walter Wilds.
Wo lagen die Schwerpunkte seiner Arbeit, welche waren die markantesten
und bedeutendsten Erfolge seiner Amtszeit? Sie sollen nicht
chronologisch aufgelistet, sondern nach Sachgebieten zusammengefasst
werden, auch wenn sie nicht nacheinander, sondern in der Regel
nebeneinander verfolgt und erreicht wurden. Sie waren immer das
Ergebnis gründlicher Planung. Wild überließ nichts dem
Zufall. Seine Stärke lag im Aufstellen von Plänen, in denen
die Teilschritte nach erkennbaren Prioritäten bestimmt und nur bei
akut auftretenden, nicht vorhersehbaren Sachzwängen geändert
wurden. Er war ein Meister im Zusammenfassen aller eigenen und
Ausnützen aller Fremdhilfen, wobei er in der Regel durch Vorliegen
abrufharer sogenannter „Schubladenprojekte“ seinen Konkurrenten um
entscheidende Längen voraus war.
Stärkung der Finanzkraft der Stadt
Wie sein Vorgänger widmete Wild der Sicherung vorhandener und
Gewinnung neuer Arbeitsplätze größte Bedeutung. Es galt
also, das von Rohllwagen errichtete Industriegebiet zu füllen und
grundstücksmäßig zu erweitern und zu ergänzen.
Neue Firmen wurden zur Ansiedlung in Bayreuth gewonnen, aber auch
Ersatzstandorte für jene Bayreuther Betriebe, die an ihren alten
Standorten, vor allem in der Innenstadt, aus betrieblichen Gründen
nicht bleiben konnten. Das erste Industriegehiet St. Georgen, im Zuge
der Gebietsreform über den Weiherdamm in Richtung Bindlach
vergrößert, umfasst heute (1985) 73 Firmen mit ca. 4500
Beschäftigten. Unter ihnen nimmt die B.A.T. Zigarettenfabrik,
weithin sichtbar, als größter Steuerzahler der Stadt unter
anderen namhaften Firmen einen herausragenden Platz ein.
Als der vorhandene Raum zu eng wurde, initierte Wild durch
Grundstücksankäufe und Erschließungsmaßnahmen die
Errichtung des Industriegebietes Ost, das heute (1985) 28 Firmen mit
rund 880 Beschäftigten zählt. Weitere Industriegebiete
befinden sich in Aichig mit 8 Firmen und rd. 120 Beschäftigten und
in Wolfsbach.
Weil die Ansiedlung immer größerer Betriebe in unserer
Randlage besonders schwierig ist, unternahm Wild alles Erdenkliche, um
neue Arbeitsplätze auch im Dienstleistungsbereich, also über
Behörden, Schulen und Handel zu gewinnen. Dies gelang ihm
über die von ihm initierte Errichtung des Gebietsrechenzentrums
für kommunale Datenverarbeitung im Industriegebiet Ost, vor allem
aber durch die Errichtung der Universität Bayreuth, die inzwischen
zum zweitgrößten Arbeitgeber unserer Stadt wurde.
„Alles kann gebaut werden, wenn die Wirtschafts- und Steuerkraft der Stadt gestärkt wird.“
Dieser Leitsatz Wilds im Jahre 1958 bewahrheitete sich in kaum
vorgesehenem Umfang. Errichtung und Ausbau der Industriegebiete
führten in kurzer Zeit zu einer Verdoppelung der Finanzkraft der
Stadt und bildeten die Grundlage für ihr enormes Wachstum in
nahezu allen Bereichen.

Wild kurz vor seinem Tod auf Gut Grunau
Grundstückspolitik
Weitblick erwies Wild durch eine großzügige Bodenpolitik.
Durch rechtzeitigen, preisgünstigen Ankauf von 150 ha
Grundstücksflächen wirkte er der Bodenspekulation entgegen
und konnte für wichtige Vorhaben in den verschiedensten Bereichen,
für Industrieansiedlung, Wohnungs-, Schul- und
Sportstättenbau sowie den Neubau des Zweckverbandskrankenhauses am
Roten Hügel die erforderlichen Grundstücke zur Verfügung
stellen.
Gebietsreform und Eingemeindungen brachten mit einem Zuwachs von ca. 32
qkm eine Verdoppelung des Stadtgebietes und Zuwachs von ca. 5200
Einwohnern, also in jeder Hinsicht einen bedeutsamen Gewinn. 1972 kamen
die Gemeinden Oberkonnersrcuth und Laineck, 1976 die Gemeinden Aichig.
Seulbitz, Oberpreuschwitz und Thiergarten, 1978 der größte
Teil der Gemeinde Wolfsbach zu Bayreuth. Diese Eingemeindungen wurden
von Wild auf lange Sicht und geschickt vorbereitet. Nur wenige
Eingeweihte wissen, wie er beispielsweise durch frühzeitige
Aufnahme der Schüler aus Oberpreuschwitz in die Volksschule
Herzoghöhe - trotz dortiger Raumnot - und die Errichtung der
Volksschule St. Johannis, die die Volksschüler aus Aichig,
Seulbitz, Oberkonnersreuth und Wolfsbach aufnahm, frühzeitig
Bindungen zur Stadt herstellte, die die Eingemeindungen wesentlich
beeinflussten.
Wohnungsbau
Die Bayreuther haben sich längst an ihr neues Stadtbild
gewöhnt. Vor allem aber jene Bayreuther, die nach langer
Abwesenheit ihre Stadt als Heimkehrer oder Besucher wiedersehen, sind
erstaunt über das städtebauliche Wachstum der
Nachkriegsjahre. Völlig neue Stadtgehiete entstanden. So hat sich
die bebaute Wohnfläche von Bayreuth in den Jahren 1958 - 1985 mehr
als verdoppelt. Nach der Barackenabsiedlung, unter Wild abgeschlossen,
wurde eine stürmische, aber sorgfältig geplante
Wohnungsbautätigkeit entwickelt, die nicht nur eine bedeutende
Belebung der Bauwirtschaft, sondern die Beseitigung der Wohnungsnot zur
Folge hatte. Unablässig bemühte sich Oberbürgermeister
Wild nun noch um die Erstellung von preiswerten Wohnungen für
sozial Schwache. Die städtische GEWOG ist besonders um die
Lösung dieses Problems bemüht.
Die grüne Stadt
Sein Einsatz für die Erhaltung einer liebenswerten, grünen
Stadt, insbesondere seine vorbildliche Unterstützung der
Kleingärtner, wurden anerkannt durch die Verleihung der
Goldplakette im Bundeswettbewerb „Gärten im Städtebau“. Er
kämpfte oft leidenschaftlich um die Erhaltung eines einzelnen
Baumes wie um Bestand und Ausweitung städtischer Grünanlagen.
Verkehr
Sofort nach Amtsübernahme wandte sich Wild der Lösung der
Verkehrsprobleme zu. 1958 beauftragte er die Verwaltung mit der
Erstellung eines Ausbauplanes für das städtische
Straßennetz unter Beachtung der Entwicklung des
Kraftfahrzeugverkehrs auf lange Sicht. Der Plan betraf das
Straßennetz für Peripherie und Zentrum. Das Ergebnis einer
Verkehrszählung zeigte, dass der Bau von Umgehungsstraßen
nicht nötig, die Erweiterung des innerstädtischen
Verkehrsnetzes und der Bau von Straßenzügen jedoch dringend
erforderlich und eine gründliche Verkehrsplanung
unerläßlich waren. 1960 wurden die Ergebnisse zum
„Straßenverkehrsplan“ erhoben und zum Bestandteil des
Flächennutzungsplanes erklärt. Er hatte 3
Verkehrsschwerpunkte, nämlich die Bernecker-, Nürnberger- und
Bamberger Straße. Um den Innenstadtverkehr durch
Stadtringstraßen wirksam zu entlasten, bedurfte es einer weiteren
gründlichen Planung. Sie wurde von Herrn Dipl-Ing. Dr. Schubert,
Hannover, als Generalverkehrsplan erstellt. Er legte die
großzügige Neugestaltung des Straßennetzes fest. Ohne
sie wäre die Bewältigung des heutigen Verkehrs nicht
vorstellbar.
Eine Riesenaufgabe wurde bis heute unter optimaler Ausnutzung
öffentlicher Mittel (Mineralölsteuer!) gelöst. Das
Stadtbild hat sich in manchen Bereichen stark geändert, etwa durch
die Mainbettüberdachung, den Annecy-Platz, die Freilegung der
alten Stadtmauer, das Verschwinden des „Grabens“ und der Wolfsgasse, um
nur einige Beispiele zu nennen. Manche Idylle, wie z. B. der
Eck-Schoberth, (das Reizenstein-Palais und die Ludwigsbrücke)
musste aufgegeben werden. Aber Veränderungen und harte Schnitte
waren lebensnotwendig, erfolgten mit Augenmaß und brachten die
erhoffte Verbesserung.
Sportförderung
Große Beachtung widmete Wild der Förderung des Sportes. Er
erkannte aus persönlicher Neigung und Erfahrung die
gesellschaftspolitische Bedeutung des Sportes schlechthin und
ließ ihm jede erdenkliche, im Rahmen der Gesamtaufgaben
vertretbare ideelle und materielle Hilfe angedeihen. Der Erfolg hat ihm
auch hierbei Recht gegeben. Bayreuth ist eine Sportstadt! Bayreuther
Sportler errangen als Einzelkämpfer oder Mannschaften national und
international beachtliche Erfolge. Stellvertretend für alle seien
Heidi Reineck-Oliwa (Bronzemedaillen bei den Olympischen Spielen 1968
und 1972) und der Rekordmeister im Skilanglauf
Walter Demel
genannt. Im Mannschaftssport vertritt die Spielvereinigung unsere Stadt
in der 2. Bundesliga, die Tischtennismannschaft und Basketball
mannschaft vertreten Bayreuth in der 1. Bundesliga, die
Eishockeymannschaft des SVB hat nach kometenhaftem Aufstieg ebenfalls
den Weg in die 1. Bundesliga erkämpft. Alle Erfolge im
Leistungssport kamen nicht von ungefähr. Die Stadt stellte die
erforderlichen modernen Sportstätten zur Ver-fügung und
leistete wesentliche finanzielle Hilfen.
Unter Wild entstanden folgende Großsportanlagcn:
1964 das Kreuzsteinbad
1967 das Städtische Stadion mit Tribüne
1975 das Hallenzentrum am Sportpark
1975 das Eisstadion (1983 überdacht)
1976 die 50-m-Schwimmhalle am Sportpark.
198? die Oberfrankenhalle
Beispielhaft und für den Leistungs- und Breitensport
äußerst hilfreich war die 1967 erfolgte Einrichtung eines
städtischen Sportamtes, das die Vereine und den Freizeitsport
durch Beratung und Organisationshilfen nachhaltig unterstützt. Auf
Initiative des Oberbürgermeisters wurden im November 1958 der
Stadtverband für Leibungsübungen und 1967 das Sportkuratorium
zur Förderung des Spitzen- und Breitensports gegründet.
Maßnahmen wie das Schwimmen für Mutter und Kind, das
Kindergartenschwimmen (ein Modellfall in Bayern!), das Schwimmen
für Wirbelsäulengeschädigte, die Errichtung eines
„Trimm-Dich-Pfades“, die jährlichen Wettkämpfe „Die
sportliche Familie“ und die Sportabzeichenaktion des Sportamtes
ergänzen die vielen Maßnahmen im Bereich des Sportes. Im
Jahre 1984 betrugen die finanziellen Aufwendungen der Stadt für
den Sport 1196 Mio DM, davon rd. 200.000 DM für den
Leistungssport, ein sicherlich ausgewogenes Verhältnis!
Kulturelles Leben
Seit Beginn seiner Amtszeit hat Wild ebenso energisch wie nachhaltig
Kultur und Kunst gefördert. Er setzte sich mit Nachdruck für
den Fortbestand der Bayreuther Festspiele ein, betrieb 1965 die
Errichtung der Stadthalle, die ein reiches, qualitativ hochstehendes
Angebot an Konzert- und Theateraufführungen bietet, und setzt sich
laufend für die Förderung des kulturellen Lebens ein durch
Zuschüsse an die „Musica Bayreuth“, durch Gewinnung hochwertiger
Aufführungen der „Fränkischen Festwoche“, durch Verleihung
des 1976 gestifteten „ Kulturpreises der Stadt Bayreuth“ und durch
städtische Zuschüsse an alle Vereine, die das kulturelle
Leben der Stadt pflegen. Auch die wichtige, zweckmäßige
Unterbringung des Stadtmuseums ist durch vorübergehende Nutzung
des Lüchauhauses bis zur endgültigen Einrichtung in der Alten
Lateinschule in die Wege geleitet. Wild ist sich der Verpflichtung
Bayreuths, der Stadt Richard Wagners und Jean Pauls, bewußt. Er
setzte sich für die Wahrung und Pflege wertvoller Tradition wie
durch Förderung neuer Ansätze auf breiter Basis nachhaltig
ein. Das von ihm betriebene, breite kulturelle Angebot der Stadt
entspricht ihrer Bedeutung, hat hohes Niveau und ist oft
größer als es genutzt wird.
Nicht unerwähnt soll die von Wild betriebene Erwerbung und
Renovierung des Schlosses Thiergarten bleiben. Die Stadt erfüllt
damit eine Verpflichtung gegenüber historischem Erbe und gewann
ein Schmuckstück für die Gastronomie unserer Stadt.
Qrtsentwässerung und Trinkwasserversorgung
Die Entwicklung einer Stadt, ihr Bevölkerungs- und
Wirtschaftswachstum, bringt Aufgaben, die oft vom Normalbürger in
ihrem Umfang nicht erkannt werden, vor allem, wenn sie unter der Erde,
nach ihrer Bewältigung nicht mehr sichtbar, vollzogen werden. Das
trifft für alle Maßnahmen der Abwasserbeseitigung zu. Schon
1927 wurde amtsärztlich festgestellt, dass die Abwasserbeseitigung
der Stadt Bayreuth nicht den Anforderungen der Hygiene entsprach und
den Neubau einer Ortsentwässerung einschließlich der
Errichtung einer Kläranlage dringend erforderlich machte. Die
finanzschwache Stadt konnte diese Aufgabe nicht sofort lösen. Der
Ausbruch des 2. Weltkrieges verhinderte 1939 die Lösung des
Großprojektes. Am Ende des 2. Weltkrieges wurde die Situation
durch die Zerstörungen des Krieges und die hohe Zunahme der
Bevölkerungszahl völlig unerträglich.
1948, unmittelbar nach der Währungsreform, beschloß der
Stadtrat, das Großprojekt in Angriff zu nehmen. Es wurde unter
Rollwagen in 6 Bauabschnitten begonnen und unter Wild konsequent
fortgesetzt.
Ende 1984 war das Kanalnetz von ca. 62 km im Jahre 1945 auf ca. 270 km
erneuert und den Erfordernissen der Zeit angepasst. Dies erforderte
60,446 Mio DM Baukosten. Gleichzeitig erfolgte der Bau einer
mechanisch-biologischen Kläranlage mit 26,165 Mio DM Gesamtkosten.
Kanalisation und Kläranlage sind damit auf den neuesten Stand
gebracht und ermöglichen die Weiterentwicklung der Stadt.
1984 gelang es Wild, in zähen Auseinandersetzungen die Mehrheit
des Stadtrates für den Abschluss eines Wasserlieferungsvertrages -
mit noch nicht ausgeräumten Vorbehalten - zu gewinnen. Der
Anschluss an die Trinkwasseranlage der Talsperre Mauthaus sichert die
Deckung des Wasserbedarfs auf lange Sicht und gewährleistet
gleichzeitig die Schonung unserer bisher genutzten
Trinkwasserreservoirs. Ein hoher Preis muß für die Sicherung
unseres lebensnotwendigen Trinkwasserbedarfes bezahlt werden. Schlimmer
als die hohen Kosten wäre aber sicherlich der Zusammenbruch
unserer Trinkwasserversorgung. Wild hat den hohen Einsatz in
Verantwortung für die Zukunft gewagt und gewonnen.

Ehrenbürgerurkunde
Die Schulstadt
Bayreuth kann sich mit Recht eine Schulstadt nennen. Konsequent, auf
der Grundlage eines Schulentwicklungsplanes und ‚-mit hohem
Finanzaufwand - die Ausgaben für das Schulwesen standen im
städtischen Haushalt an zweiter Stelle - wurde ein Schulsystem
entwickelt, das lückenlos von Vorschuleinrichtunlen, über
Volks- und Sonderschulen und Berufsschulen bis zur Universität
reicht. Unter Wild wurden 4 Volksschulen neu erichtet, 5 erweitert,
alle alten Schulen saniert, 7 Pavillons für Schulanfänger
erstellt und das Schießergebäude in St. Georgen zur Behebung
dringender Schulraumnot erworben md umgebaut. Er betrieb den Bau der
Realschule I am Festspielhügel, die Errichtung der Realschule II
des Landkreises im Stadtgebiet, die rasche, kostengünstige
Errichtung der Fachoberschule, den Neubau des Gymnasiums Christian
Ernestinum und des Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasiums mit
Wirtschaftsschule, die Erweiterung des Richard-Wagner-Gymnasiums und
des Graf-Münster-Gymnasiums, die Neubauten für die
Sonderschule Meyernherg und die Berufsfachschulen für
medizinisch-technische Assistenten und Krankengymnastik und
förderte durch Zuschüsse die Errichtung des
Heilpädagogischen Zentrums am Geschwister-Scholl-Platz.
Große Anstrengungen unternahm er mit dem Ausbau des Schulzentrums
Ost, das durch die Ergänzung der Werkstätten und den Neubau
einer Kaufmännischen Berufsschule den Abschluss eines
Schulbauprogrammes darstellt, das den Anforderungen an einen
zeitgemäßen Unterricht und den Anforderungen an ein
mögliches Oberzentrum gerecht wird.
Jugend und Familie
Ihnen galt und gilt Wilds volle Zuwendung und Unterstützung. 1981
wurde die Stadt Bayreuth mit dem 2. Preis im Landeswettbewerb „Die
familienfreundliche Stadt“ ausgezeichnet. Damit fanden die
vielfältigen, zum Teil originären Ideen und Maßnahmen
unserer Stadt ihre Anerkennung.
Unter Wild wurde das Netz der Kindergärten flächendeckend
ausgebaut. Die Errichtung von 4 Kinderhorten ergänzte diese
Einrichtungen. Ebenfalls flächendeckend wurden Spiel- und
Bolzplätze für die Jugend geschaffen, darunter ein
beispielhafter Abenteuerspielplatz. Eine Idee Wilds, die jährliche
Durchführung eines Bolzplatzturniers für Knaben und
Mädchen, fand begeisterte Aufnahme, ebenso das reichhaltige
Ferienprogramm des Stadtjugendamtes.
1978 errichtete die Stadt mit 1 Mio DM Aufwand, unter Verzicht auf
einen Staatszuschuß, das Kommunale Jugendzentrum in Anlehnung an
das alte Jugendheim an der Hindenburgstraße.
1975 wurde die neue Jugendherberge am Kreuzsteinbad errichtet. 1983
erhielt die Stadt für die Verdienste um das Jugendherbergswesen
den Wilhelm-Munker-Preis. Der Jugend Bayreuths dient unmittelbar auch
das „Internationale Jugendfestspieltreffen“, das einer Begegnung von
Jugendlichen aus aller Welt mit dem Ziel der
Völkerverständigung dient. Dasselbe gilt für das
„Internationale Jugendkulturzentrum“, das nach langwierigen
Verhandlungen 1984 fertiggestellt wurde und 1985 seine Arbeit mit dem
Modellversuch „Jugendkulturarbeit in einer ländlichen Region“
aufnimmt. Die Stadt Bayreuth, besonders Oberbürgermeister Wild,
ließen beiden Einrichtungen große ideelle und materielle
Unterstützung angedeihen.
Eine Großtat Wilds für die Jugend war die Gründung und
Gestaltung der Jumelage mit der französischen Partnerstadt Annecy,
einer Einrichtung, die als beispielhaft gilt. In Anerkennung seiner
Verdienste um die Verständigung zwischen Frankreich und
Deutschland erhielt Wild 1978 den „Prix France-Allemagne“.
Gesundheitswesen
Ein langer Weg führte im Bemühen um ein gutes
Gesundheitswesen über die Verbesserungen des alten Städt.
Krankenhauses zur Errichtung des neuen Zweckverbandskrankenhauses am
Roten Hügel, das 1986 bezogen wurde. An seiner Errichtung hatte
Wild maßgeblichen Anteil. Die Bürger Bayreuths verfügen
mit der Fertigstellung über ein modernes Krankenhaus der
Versorgungsstufe II, das nach Lage, Gestaltung und Ausstattung die
Krönung langwieriger Verhandlungen darstellt und den
Bedürfnissen der Zeit entspricht.
Universität Bayreuth
Viele Bayreuther nehmen die Tatsache, dass sie eine Universität
besitzen, zur Kenntnis, ohne zu ermessen, welch ungeheurer Anstrengung
es bedurfte, diese Einrichtung zu gewinnen und welch große
Bedeutung sie für die Entwicklung unserer Stadt besitzt.
Der Erfolg hat, wie immer, viele Väter. Wer die Entstehung der
Universität miterleben durfte, der weiß, dass sie
überwiegend ein Verdienst Wilds ist. Er hatte den damals geradezu
vermessen erscheinenden Mut, mit der Forderung einer Universität
für Bayreuth an die Offentlichkeit zu treten. Dabei begnügte
er sich nicht mit allgemeinen, historisch begründeten Forderungen,
sondern erstellte in fieberhafter Eile, jedoch präziser Sorgfalt,
eine Denkschrift, die mit nüchternen, bestechenden Fakten und
Argumenten die Berechtigung und Voraussetzungen für den Standort
einer Universität in Bayreuth zwingend und überzeugend
darlegte. Mit einem ungeheuren Einsatz an Überzeugungskraft,
Zähigkeit und taktischen Varianten nutzte er in einem
großartigen Sturm- und Wettlauf die Gunst der Stunde.
Am 16.07.1970 faßte der Bayerische Landtag den Beschluss zur
Errichtung einer Universität in Bayreuth. Heute, nach knapp 15
Jahren, präsentiert sich diese Universität, eine
Universität mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt und
bedeutsamen Forschungsschwerpunkten in der Experimentellen Okologie und
Ökosystemforschung sowie makromolekularen Chemie, aber auch im
Bereich der Geisteswissenschaften mit Schwerpunkten wie Afrikanologie
und Musiktheaterforschung, als eine Universität, die bewußt
auf die breite Palette des Angebotes einer traditionellen
Universität verzichtet. Im Sommersemester 1985 hat sie mit 4512
eingeschriebenen Studenten bereits die Nachbarunivcrsität Bamberg
überflügelt, ein deutlicher Beweis für die Notwendigkeit
ihrer Errichtung und den guten Ruf, den sie genießt. Die
Errichtung der Universität Bayreuth war ein Meilenstein in der
Stadtentwicklung. Sie besitzt nicht nur fundamentale Bedeutung für
das geistig-kulturelle Leben in unserer Stadt, sie ist als
zweitgrößter Arbeitgeber auch ein wichtiger Faktor im
erfolgreichen Kampf gegen Stillstand und Rückentwicklung der
Bevölkerungszahl, weil sie die Attraktivität Bayreuths
nachhaltig verstärkt und Abwanderungstendenzen in
Ballungsräume wesentlich verhindert.
Die Errichtung der Universität war sicherlich die herausragende
Leistung Wilds und der vielen Helfer, die er in und außerhalb
Bayreuths gewinnen konnte. Sie war nie ein Geschenk, sondern eine
Aufgabe, die weiterhin die ideelle und materielle Hilfe der Stadt
braucht und wert ist.
Der Chef der Verwaltung
Wie sein Vorgänger Rollwagen erkannte Wild, dass eine
leistungsfähige, straff geführte, ständig geforderte und
durch eigenes Vorbild motivierte Verwaltung die unerlässliche
Voraussetzung für erfolgreiche Arbeit darstellt. Die
Leistungsfähigkeit der Stadtverwaltung litt vor allem unter der
Aufsplitterung der Amter auf Behelfsunterkünfte, die das im Krieg
zerstörte Rathaus ersetzen mußten. So ist es
verständlich, dass Wild die Errichtung eines neuen Rathauses mit
Nachdruck betrieb. 1972 wurde es bezogen. In ihm kann die Verwaltung -
mit Ausnahme weniger, noch außerhalb untergebrachter
Dienststellen - unter zeitgemäßen Bedingungen ihre Arbeit
verrichten. Die Verwaltung ist für Wild nicht Selbstzweck, sondern
in erster Linie eine Einrichtung für den Bürger. Das wird
deutlich unterstrichen durch den „Bürgerdienst“ im
Erdgeschoß, eine Idee Wilds. Er steht Hilfe- und ratsuchenden
Bürgern laufend als wichtiges, gerne in Anspruch genommenes
Bindeglied zur Verwaltung zur Verfügung, ergänzt durch eine
Kinderbetreuungsstätte für Mütter in Begleitung von
Kleinkindern. Auch die Ausstellungshalle im Erdgeschoss,
ganzjährig gefüllt mit Ausstellungen verschiedenster Art,
sowie Dienst- und Veranstaltungsräume für die Volkshochschule
führen bewusst den Bürger in sein Rathaus. Im 2. Stockwerk
arbeitet der versierte Chef der Verwaltung, eine Lokomotive, die
ständig unter Volldampf steht, und mit enormer Schubkraft für
Bewegung nach vorwärts sorgt. Er ist, um beim Bild zu bleiben,
Zugmaschine und Stellwerk in einer Person.

Es muß Stückwerk bleiben, das Riesenpensum geleisteter,
äußerst erfolgreicher Arbeit Hans Walter Wilds
lückenlos aufzulisten und zu würdigen. Zu seinen Aufgaben als
Oberbürgermeister war er von 1962 - 1982 Mitglied des Bezirkstagcs
von Oberfranken, zeitweise dessen Vizepräsident, Mitglied des
Vorstandes des Bayer. Städtetages, Vorsitzender des Verwaltungs-
und Rechtsausschusses dieses Verbandes, von 1960 - 1984 Mitglied im
Hauptausschuß des Deutschen Städtetages, Vorsitzender des
Verwaltungsrates der Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in
Bayern, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Stadtsparkasse Bayreuth,
Vorsitzender der Emil-Warburg-Stiftung, des Aufsichtsrates der GEWOG
Bayreuth und des Kreisverhandes Bayreuth des Bayer. Roten Kreuzes. Das
bedeutete: Zusätzliche Belastung, aber auch wichtige In-formation
und Mitentscheidung zum Wohle der Stadt. Seine Verdienste als
Kommunalpolitiker wurden durch eine große Zahl von Ehrungen und
Auszeichnungen gewürdigt.
Zusammenfassend muß festgestellt werden, dass Wild das von
Rollwagen geschaffene Fundament zu einem stattlichen Gebäude, zum
Bayreuth 1985 gestaltete. Dabei kam ihm neben seinen glänzenden
Fähigkeiten der allgemeine wirtschaftliche Aufschwung der
„goldenen Jahre“ des deutschen Wirtschaftswunders zugute. Er hat diese
Entwicklung genutzt wie kein anderer seiner oberfränkischen
Kollegen. Was in den Jahren von 1958 - 1985, weitgehend von ihm
initiiert, in Bayreuth geschaffen wurde, wäre heute, im Zeichen
der Rezession, nicht mehr möglich. Wild hat im Kleinen wie im
Großen immer die Gunst der Stunde genutzt. Er hat die
Früchte der „fetten Jahre“ in die Scheuer gebracht wie ein
Landmann, der in entschlossenem Zugriff die Ernte einbringt, bevor das
Gewitter loshricht. Die aufstrebende Universitätsstadt
genießt die Früchte seiner Ideen und Leistung.
Die SPD, bei der er trotz aller Objektivität, die ihm die
Gesamtverantwortung gebietet, einen festen Standort hat, kann stolz auf
ihn sein. Die ausführliche Würdigung seiner großen
Leistung im Rahmen dieser Festschrift ist durch seine überragende
Leistung mehr als gerechtfertigt.
Verwaltung zur Verfügung, ergänzt durch eine
Kinderbetreuungsstätte für Mütter in Begleitung von
Kleinkindern. Auch die Ausstellungshalle im Erdgeschoß,
ganzjährig gefüllt mit Ausstellungen verschiedenster Art,
sowie Dienst- und Veran-staltungsräume für die
Volkshochschule führen bewußt den Bürger in sein
Rathaus. Im 2. Stockwerk arbeitet der versierte Chef der Verwaltung,
eine Lokomotive, die ständig unter Volldampf steht, und mit
enormer Schubkraft für Bewegung nach vorwärts sorgt. Er ist,
um beim Bild zu bleiben, Zugmaschine und Stellwerk in einer Person.
Nachfolger von Wild ist Herr
Dr. Dieter Mronz.
Quelle: 5,24,65