Dr. Wilhelm Müller

* 28.02.1920
† 11.1989 (Bayreuth)
Heimathistoriker und Stadtbibliothekar

Der Historiker ist immer auch der Gegenwart verpflichtet geblieben. Nun ist Dr. Wilhelm Müller ein Vierteljahr vor seinem 80. Geburtstag gestorben, den er am 28. Februar 1990 hätte feiern können. Fast 20 Jahre war der vielseitig interessierte und begabte bis 1975 der Vorsitzende des Historischen Vereins für Oberfranken gewesen.
Als es die Universität Bayreuth wieder zu gewinnen galt, knüpfte Wilhelm Müller als Sonderbeauftragter des Oberbürgermeisters wertvolle Kontakte zu Wissenschaftlern, Gelehrten und Hochschulen. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Universitätsvereins. Als langjähriger Geschäftsführer der Ortsgruppe Bayreuth des Universitätsbundes Erlangen-Nürnberg nutzte er seine Verbindungen zum Rektorat der Universität Erlangen, um dort den Boden für die neue Universität Bayreuth zu bereiten - deren Vorläufer im 18. Jahrhundert von Bayreuths Markgrafen nach Erlangen verlegt worden war.
Zum aufgehäuften Aufgabenkatalog des früheren städtischen Bibliotheksdirektors gehörte seinerzeit die Betreuung des Stadtmuseums und des Stadtarchivs, deren Hüter und Mehrer er über seine Versetzung in den Ruhestand als Leiter der Stadtbibliothek hinaus noch blieb - solange bis der Stadtrat mit Dr. Sylvia Habermann eine hauptamtliche Kraft einstellte.
Dr. Wilhelm Müllers Liebe und Leidenschaft gehörten der Heimatgeschichte Bayreuths und des Frankenlands. Ohne Zweifel liegen hier seine wichtigsten Verdienste, die aber nicht allein in seinen eigenen Beiträgen zu suchen sind, denn nur zu oft war Wilhelm Müller der Anreger und Mentor für andere. Wie konnte er sich dann mit ihnen über eine gelungene landesgeschichtliche Arbeit freuen! Andere ließ er Kritik spüren. Geradezu allergisch war er gegen Oberflächlichkeit und voreilige Schlüsse. Aber er war, kein Polterer; es ging ihm viel mehr um die Überzeugungskraft der Argumente. Einmal gewonnene Erkenntnisse verteidigte er mit ebensoviel Wissen wie Unerschütterlichkeit. Für Dr. Wilhelm Müller war "Fränkische Schweiz" schon immer der falsche Name für die Frankenalb.
Als er 1957 den Vorsitz des Historischen Vereins übernahm, entwickelte er dessen "Archiv"-Band zu einem begehrten Jahrbuch der fränkischen Geschichte. Im Jahr 1981 überreichte der bayerische Kultusminister Professor Hans Maier das Bundesverdienstkreuz an Dr. Müller. 1988 zeichnete der Bezirk Oberfranken Müller mit der Ehrenmedaille aus.
Der gebürtige Bayreuther half schon als Gymnasiast aus Liebe zum Buch beim Ordnen der Kanzleibibliothek. Später galt die Aufmerksamkeit des Bibliothekars besonders der städtischen Jugendbücherei und die des Vorsitzenden des Historischen Vereins der Unterbringung von dessen Büchern und Sammlungen im Italienischen Bau des Neuen Schlosses. Nachdem er in den 60er Jahren das Stadtmuseum unter seine Obhut genommen hatte, richtete Müller in einer Zimmerflucht des Neuen Schlosses mit Kennerschaft eine von ihm stetig ergänzte kleine Galerie Bayreuther Maler ein, in deren Mittelpunkt Werke des von Wilhelm Müller neu entdeckten markgräflichen Hofmalers Heinrich Bollandt (1578 bis 1653) standen.
Müllers Veröffentlichungen legten oftmals einfach "nur" Zeugnis seiner Zuneigung zu den fränkischen Menschen ab, aber immer auch von seiner sprachlichen Sorgfalt. Dieses Porträt des hochgeschätzten und in den letzten Jahren zurückgezogen lebenden Mannes bliebe unvollständig, würde nicht noch auch des Stadtbibliothekars gedacht, der die Bücherei aus dem Obergeschoss des Hauses Friedrichstraße 18 um die Kanzleibücherei vermehrt an den Luitpoldplatz verlegte, der die Jugendbücherei erst ins Leben rief, der die Freihandausleihe einführte und den Brauch kleiner Kunstausstellungen in der Bibliothek begründete.

dh

Quelle: 6 (28.11.1989)