Am 13. Februar 1933 jährte sich der Todestag
Richard Wagners zum 50. Male. Der Tag wurde in Bayreuth sehr feierlich
begangen. Fünf Personen, die in engeren Sinn mit der Familie
Wagner oder den Festspielen zu tun hatten, wurden von der Stadt
Bayreuth mit der Ehrenbürgerschaft ausgezeichnet. Zu ihnen
gehörte Winifried Wagner, die Schwiegertochter Richards, die er
nie kennengelernt hatte.
"Am heutigen Tage jährt sich zum fünfzigsten Male der
Todestag Richard Wagners. Die Stadt Bayreuth gedenkt in tiefster
Ehrerbietung und Dankbarkeit des großen Meisters und all derer,
die ihr eigenes Schaffen in den Dienst des Bayreuther Werkes gestellt
und zu dessen Ruhm beigetragen haben. Sie bittet daher Frau Winifried
Wagner, die seit dem Tode ihres Gatten in schwerer Zeit die
Bühnenfestspiele mit Mut und Tapferkeit leitet, das
Ehrenbürgerrecht entgegenzunehmen.
Bayreuth, den 13.2.1933 Der Stadtrat Preu"
Frau Winifried Wagner hatte nach dem Tod ihres Mannes und ihrer
Schwiegermutter Cosima, im Jahre 1930, im Alter von 32 Jahren "die
Herrschaft über den grünen Hügel" übernommen.
Vierzehn Jahre lang leitete sie die Festspiele, bis ihr 1945 auf Befehl
der Amerikaner die Weiterführung der Festspiele untersagt wurde.
Winifried Wagner wurde am 23. Juni 1896 in Hastings geboren. Ihr Vater,
John Williams, war Schriftsteller und Journalist; ihre Mutter, Emily
Florence, geborene Karop, war Schauspielerin. Winifrieds Eltern
starben jedoch sehr früh, und sie selbst kam mit sechs Jahren in
das Waisenhaus "St. Margarets Orphanage" in East Grimstead. Mit zehn
Jahren
reiste sie nach Deutschland zu ihrem Onkel, dem Pianisten Karl
Klindworth (seine Frau war eine geborene Karop), der das Mädchen
adoptierte. Er bildete Winifried im Klavierspielen aus. Ab 1908
besuchte Winifried Wagner die Höhere Mädchenschule in Berlin
Friedenau.
Da Klindworth in persönlicher Freundschaft mit dem Hause Wagner
verbunden war, kam auch die junge Winifried nach Bayreuth und
Wahnfried. Sie lernte Siegfried Wagner kennen und 1915 heiratete die
18-jährige den um achtundzwanzig Jahre älteren Sohn Richard
Wagners. Aus dieser Ehe stammen vier Kinder: Wieland, Wolfgang,
Friedlinde und Verena.
Siegfried Wagner mit Familie
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Winifred und Siegfried Wagner
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Winifried Wagner, die in Cosima ein lebensbestimmendes Vorbild gefunden
hatte, durfte nach dem Krieg nicht mehr die Leitung der Festspiele
übernehmen. Als 1951 die ersten Nachkriegsfestspiele stattfanden,
waren es ihre beiden Söhne Wieland und Wolfgang, die von nun das
Erbe ihres Großvaters weiterführten.