Hans Paul Freiherr von Wolzogen

* 13.11.1848 (Potsdam)
† 02.06.1938 (Bayreuth)

Hans Paul Freiherr von Wolzogen, Ehrenbürger, Schriftsteller, Herausgeber der von Richard Wagner geführten Bayreuther Blätter.

"Der Bayreuther" Hans von Wolzogen

Mehr als sechs Jahrzehnte wirkte in Bayreuth Hans Freiherr von Wolzogen (1848- 1938), der sich die Vermittlung und Verbreitung von Wagners Werk und die Pflege des Bayreuther Festspielgedankens zur Lebensaufgabe gemacht hatte. Winfried Schüler, der Verfasser eines Buches über den "Bayreuther Kreis" (1971), schreibt über Wolzogen: "Nach dem Meister selbst und Cosima nimmt er die wichtigste Stelle in der Hierarchie des Bayreuther Kreises ein.
Der gebürtige Potsdamer, Sohn eines preußischer Beamten und Enkel des großen Architekten Karl Friedrich Schinkel, hatte in Berlin Vergleichende Sprachwissen- schaften und Geschichte studiert, neigte aber mit reicher Phantasie und viel Gemüt mehr zum Schriftsteller und Künstler als zum Wissenschaftler. Obwohl er Nichtmusiker war, begeisterte ihn Wagner, den er 1875 in Bayreuth erstmals besuchte. Schon 1877 übersiedelte er auf Dauer nach Bayreuth, wo er nach Erbauung des Hauses Wahnfriedstraße 9 in nächster Nähe von Wahnfried sein Heim besaß. Wagner, der schon vor seiner Bayreuther Zeit an eine eigene Zeitschrift zur Verbreitung seines Werks gedacht hatte und ursprünglich Friedrich Nietzsche als Schriftleiter gewinnen wollte, fand in Wolzogen den befähigten Mann, der diese Aufgabe übernehmen konnte. Mit der Herausgabe der "Bayreuther Blätter" vom Januar 1878 bis 1932 hat sich Wolzogen als "der Bayreuther" dieser Aufgabe unterzogen. Seine Zeitschrift war Mitteilungsblatt für Wagnervereine und -freunde in aller Welt, aber auch Verständigungsstelle der engeren Gesinnungsgenossen.
Der empfindsame Schwärmer, der sich im Alter mehr und mehr um religiöse Erneuerung bemühte, suchte im Geiste Richard Wagners eine Verknüpfung von Deutschtum und Christentum und eine enge Verbindung von Kunst und Religion. Als besinnlicher Mystiker und romantisierender "Einsiedler" besaß er wenig Sinn für die politischen Realitäten. Der naiv hitlergläubige "Hauptstatthalter des geistigen Bayreuth" (Winfried Schüler) fand indes auch bei Hitler selbst keine Gegenliebe. Dieser soll Wolzogen einen "Flachkopf" genannt haben, weil er den "Parsifal" aus christlicher Mitleidsphilosophie fehlinterpretiert habe.

Quelle: 2,18 (S. 172),22

Hans Paul von Wolzogen wurde am 13. November 1848 in Potsdam geboren. Sein Vater, Alfred von Wolzogen, war Hof- Theaterintendant; seine Mutter war eine Tochter des berühmten Baumeisters Karl Friedrich Schinkel und sie starb, als ihr Sohn zwei Jahre alt war. Weder der Vater, der seinen eigenen hochgesteckten Zielen nachging, noch die Großmutter und die Stiefmutter konnten Hans Paul von Wolzogen die Mutter ersetzen; trotzdem verbrachte er eine sorglose und glückliche Jugend in einer Umgebung, die ihn nichts merken ließ von den Wirrnissen jener Zeit.
Bereits in der Schule interessierte er sich besonders für Dichtung und Musik. Seine Beziehungen zum Theater gewannen ausgeprägte Formen, als er "seinen Meister" gefunden hatte. Auf seiner Hochzeitsreise 1872 kam er zum ersten Mal nach Bayreuth, wo er "ergriffen vor dem großen Loch" stand, an dem kurz zuvor, am 22. Mai 1872, die Grundsteinlegung für das Festspielhaus erfolgt war. Drei Jahre später kam er wieder nach Bayreuth und machte diesmal die persönliche Bekanntschaft mit Richard Wagner. Wolzogen war nach Bayreuth berufen worden, um mit Richard Pohl die dem Bayreuther Werk angeschlossene Zeitschrift "Bayreuther Blätter" zu gründen. 1877 zog Freiherr von Wolzogen in Wahnfried ein, wenig später kam auch seine Frau nach, und 1878 zog das Ehepaar Wolzogen in eine Wohnung in der Schillerstraße. Als Richard Pohl nicht mehr für die Zeitschrift zu begeistern war, rief Wolzogen die "Bayreuther Blätter" allein ins Leben und führte sie fort. Richard Wagner, von dem die Idee für diese Blätter ausging, sah in ihnen eine "Zeitschrift zur Verständigung über die Möglichkeiten einer deutschen Kultur", und er hatte sie zum geistigen Mittelpunkt des Bayreuther Wertes bestimmt. Die Bayreuther Blätter bergen die "festumrissene, in der kunst- und Lebensanschauung Richard Wagners ruhende Gedankenwelt". In den "Bayreuther Blättern" wurden Wagners letzte Aufsätze zuerst veröffentlicht, weiterhin Robineaus "Renaissance" in der Verdeutschung von Ludwig Schemann, zahllose Briefe aus dem Archiv Wahnfrieds und vieles mehr. Mit der Zeit wurde die Zeitschrift zu einer musikalischen Fundgrube ersten Ranges. Wolzogen selbst steuerte viele Beiträge dazu bei. Sein Verdienst ist es in erster Linie, dass die "Bayreuther Blätter" und mit ihnen die Gedankenwelt Wagners die Wandlungen der Zeit und des Zeitgeistes überdauert haben.
Als Literat tat Wolzogen sich hervor durch eine Biographie über Wagner, durch religiöse Aufsätze; und er gab ein Buch heraus, das von dem Dichter Wilhelm Raabe erzählt und den Titel "Raabenweisheiten" trägt. Wolzogens größter Verdienst war aber, dass er nach Wagners Tod 1883 Cosima Wagner überreden konnte, die Festspiele weiterzuführen und die Leitung der plötzlich verwaisten Festspiele zu übernehmen. In seinen Bemühungen wurde er von Adolf von Groß unterstützt.

In der Stadtratssitzung vom 24. Mai 1922 gedenkt Oberbürgermeister Preu des Jubiläums der Grundsteinlegung des Festspielhauses. Neben Houston Stewart Chamberlain soll im Gedenken daran auch Paul von Wolzogen die Ehrenbürgerschaft der Staat Bayreuth erhalten:

"In diesem Sinne habe der Ältestenausschuss Beschluss dahin gefasst, einige der Männer, die mit dem großen Meister und an seinem großen Werke hervorragend mitgewirkt haben, ehrende Anerkennung zuteil werden zu lassen und das Ehrenbürgerrecht nebst Goldner Medaille zu verleihen: Hans Freiherr von Wolzogen und Herrn Chamberlain."

Für die Festspiele war Wolzogen eine große Stütze, und es war für ihn ein Freudentag, als er die Wiedereröffnung der Spiele nach dem Krieg nach zehnjähriger Pause noch miterleben durfte. Im Alter von fast neunzig Jahren starb Hans Faul von Wolzogen am 2. Juni 1938 in Bayreuth.

Quelle: 31