Werner Maria - Wo Sarazen - Baumann

Zauberer in der Unterwelt von St. Georgen

* 08.08.1923

Bayreuther Künstler. Wohnhaft in St. Georgen, Brandenburger Straße 36, wo er auch sein "Kellerkunstmuseum" unterhält. Die dortigen Gänge hat er schon früh erforscht. (Siehe auch http://www.swutz.de). Für viele Bayreuther ist er ein Spinner und Verrückter; andere drücken es vornehmer aus: eine skurrile Erscheinung. Er selbst sagt dazu: "Es gibt noch viel mehr Verrückte als mich, doch die anderen sind gut getarnt."
Für seine Objekte hätte der Künstler kaum bessere Räume finden können, als die ausgedehnten Kellergewölbe, die im 18. und 19. Jahrhundert in mühevoller Arbeit gegraben worden waren. Sie führen weit über das Grundstück hinaus und sind so rätelhaft, wie die Objekte, die Wo sarazen schuf und darin ausstellt. Er selbst bezeichnet das Museum kühn als das "ungwöhnlichste Kunstmuseum der Welt". Beim Eintritt in die Tiefe der Gewölbe bekommt der Besucher eine kurze Information des Künstlers zum Geleit: "Im Gegensatz zu anderen Museen wird bei uns das Inventar weder gehegt, noch gepflegt, noch bei Bearf restauriert. Dem natürlichen Verfall - begünstigt durch die Feuchtigkeit der Gewölbe - wird in keiner Weise Einhalt geboten. Das Gesetz vom ewigen Werden und Vergehen wird hier am Kunstwerk deutlich. Die Atmosphöre des Kellers begünstigt die Ahnung, daß hinter uns verschlossenen Türen unerhörte Geheimnisse verborgen sind."

Bekannt geworden ist das Haus aber als "Kunstauktionshaus Waltraud Boltz". Hier fanden seit 1976 über 300 Auktionen statt, wobei es sich vorwiegend um Spezialversteigerungen handelt, wie z.B. Bauernsilber, Feierabendziegel, Christbaumschmuck, Andachtsbilder, Bügeleisen, historische Schreibmaschinen, ... Eine der originellsten Auktionen lief im Mai 1992 unter dem Titel "Schmusetiere unterm Hammer" über die Bühne. Hier wurden 250 Teddy-Bären versteigert, wobei die wertvollsten Stücke, zwei Steiff-Teddybären, für 3000 Mark den Besitzer wechselten.
 

Die "Grotte des Zauberers"

Als Beispiel für die Skurrilität Baumanns sei ein Ausschnitt aus dem Programm der 2. Bayreuther Museumsnacht über eine Führung im Kellergewölbe von Wo Sarazen Art, am Samstag, 26.10.2002 zitiert:

"Pünktlich um 23.00 Uhr wird das Tor geöffnet und die Anwesenden werden von Werner Maria Baumann kurz auf das Kommende eingestimmt. Um 23.05 Uhr wird das Tor geschlossen. Wer später kommt, erhält keinen Einlass mehr. Danach - in den Gewölben - wird die Szenerie, die einzelnen Figuren und Objekte von Werner Maria Baumann weder erklärt noch kommentiert. Er gibt lediglich den Titel bekannt. Ansonsten hüllt er sich in Schweigen. Die Meinung der Besucher ist gefragt, eine Diskussion erwünscht. Diese wird begleitet oder unterbrochen von verschiedenen Musikinstrumenten, die Werner Maria Baumann in keiner Weise beherrscht, sondern nur lautstark und schrill zum Klingen bringt. Hier offenbart sich klanghaft ein Gesetz, das diese Wellt in Fesseln legt. Und vielleicht ist einer unter den Besuchern, der ahnt, was hier unausgesprochen blieb... Pünktlich um 24:00 Uhr werden die Besucher nach oben geführt. Und wer möchte schaut zu den Sternen empor..."

Quelle: 8,9